Maeve by Jo Clayton

Maeve by Jo Clayton

Author:Jo Clayton [Clayton, Jo]
Language: deu
Format: epub
Tags: Belletristik (st), Science Fiction (st)
ISBN: 9783811835603
Published: 1979-01-02T00:00:00+00:00


7

Der östliche Horizont zeigte Streifen von Rot, als Gwynnor das Boot längsseits des Landungssteges brachte. Über ihnen neigte sich der rote Sandstein steil, mit einer unterbrochen terrassierten Oberfläche zurück. Eine hölzerne Treppe kroch in trägen Zickzackkurven die Schräge hinauf. Sioned schaute ängstlich zum Himmel hinauf. „Ob uns die Sternenmenschen wohl hierher folgen würden?”

Gwynnor schüttelte ungeduldig den Kopf. „Woher soll ich das wissen? Komm, weiter.”

Sie machten sich daran, die Treppe hinaufzusteigen. Die Stufenbretter waren so befestigt, daß sie jeden Schritt zu einem dröhnenden Poltern machten, das von der reflektierenden Oberfläche des Gesteins widerhallte. Sioned streckte die Hand aus und ergriff Gwynnors Hand, da die Stille und die Echos an ihren Nerven zerrten und die Verbitterung über die schlaflose Nacht, ihren Streit mit Gwynnor — wegen Aleytys — und den Rest Entsetzen vor dem Sturm verstärkten. Gwynnor zog sie nahe zu sich heran, froh, sie neben sich zu haben; er nahm ihre Gereiztheit nicht ernst.

Sie atmeten schwer, als sie den Gipfel schließlich erreichten.

Windgeformte Zedern klammerten sich bedenklich nahe am Rand des steil abfallenden Hanges fest. Dahinter ragte eine Buchsbaumkette auf, wild und ungezähmt an der Außenseite, die Innenfläche jedoch ordentlich gestutzt. Der rote Stein war zerbröckelt und durch eine mit üppigem grünem Rasen bewachsene Bodenschicht ersetzt worden: Ein samtartiger Rasen erstreckte sich in einem Hufeisenring um die Vorderseite des anmutigen Steinbaues vor ihnen. Ein Gehweg aus zerkleinertem rotem Kies, ordentlich geharkt wie ein gefegter Fußboden, die Kanten rasiermesserscharf gezogen, durchschnitt das Hufeisen aus Grün in gerader Linie zum Säuleneingang des Tempels.

Sioned blieb stehen und zog an Gwynnors Hand; er blieb ebenfalls stehen. „Ich glaube, wir sollten nicht darauf gehen.”

„Wie sollen wir sonst zum Tempel gelangen? Komm. Sei nicht dumm.”

Zögernd trat Sioned auf den Kies und schüttelte sich bei dem durch ihre Füße verursachten Knirschen. Sie blickte nach hinten und zuckte zusammen, als sie das Durcheinander sah, das ihre Füße gemacht hatten. Gwynnor zog sie weiter, und sie ging schneller, noch immer widerwillig, in die starr disziplinierte Landschaft hinein, die menschlicher Anwesenheit anthithetisch schien. „Es mag uns nicht”, murmelte sie.

Gwynnor schüttelte den Kopf, da er nichts von ihrer Angst empfand. „Du läßt dich von deiner Einbildung mitreißen, Sioned.

Du hast in den letzten paar Monaten ein hartes Leben geführt, und du bist völlig erschöpft.” Er eilte weiter und zog das widerstrebende Mädchen mit sich.

Am Ende des Weges trugen zwei wuchtige Pfeiler einen Querbalken, an dem ein grünspanbefleckter Kupfergong hing; breiter als Gwynnor groß war. Ein Schlegel mit gepolstertem Ende hing

— aufgehängt an paarweise angeordneten Trägern — vor dem Gong.

Gwynnor sah Sioned an, eine Hand hatte er auf dem Schlegel ruhen.

„In Ordnung, wenn es sein muß.” Sie wich zurück, hob die Hände, um ihre Ohren zu bedecken.

„Wir sind gekommen, um die Synwedda zu sehen.” Er warf sich mit seinem ganzen Gewicht gegen den Schlegel, zwang ihn zurück, gebrauchte dann den gesamten Schwung, um das gepolsterte Ende gegen den Gong zu schmettern, was einen tiefen, vibrierenden Ton dröhnend über den Berggipfel zittern ließ.

Als der große, fordernde Ton zu einer summenden Stille erstarb, trat er an Sioneds Seite und stand wartend vor dem dunklen, schweigenden Bogen, hinter dem sich das Gebäude auftat.



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